Quelle des Lebens

Hildegard leitet ihr letztes, kosmisches visionäres Buch über die göttlichen Werke mit einem Jubelgesang über die Lebenskräfte ein, die die ganze Schöpfung am Leben erhalten: Gott ist das Leben und die Lebensenergie fließt aus Gott.

 

Ich bin das feurige Leben.

Ich bin die stärkste feurigste Kraft.

Alles Leben habe ich entzündet und nichts Totes geht von mir aus.

Den ganzen Erdkreis umfliege ich mit meinen oberen Flügeln.

Ich habe alles in Weisheit geordnet.

Ich bin das feurige Leben, die göttliche Substanz.

Ich brenne über der Schönheit von Fluren und Auen.

Ich glitzere über den Gewässern und brenne in Sonne, Mond und Sternen.

Mit jedem Atemzug, wie mit unsichtbarem Leben, wecke ich alles Leben.

Die Luft lebt im Grünen und Blühen.

Lebendig fließen die Gewässer.

Lebendig ist der Sonnenstrahl.

Der Mond wird nach seinem Abnehmen wieder von der Sonne beleuchtet, damit er wieder lebendig wird.

Auch die Sterne funkeln, als ob sie lebten.

Ich habe die Säulen gebaut, auf denen der Erdkreis ruht.

Ich bin in den Kräften des Windes.

Luftschlagende Flügel halten die Wirbelstürme ab, damit sie nicht zu gefährlich werden.

So schützt auch der Körper die Seele, damit sie nicht verströme.

So stärkt auch der Seelenhauch den Körper, damit er nicht abstirbt.

Ich bin die feurige Lebenskraft im Leben verborgen.