Gründung der ersten Hildegard Universität

www.hildegard-universitaet.de

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Der 9. Internationale Hildegard Kongress in Konstanz stand unter einem glücklichen Stern: am 6. Oktober 2016 wurde die erste online Hildegard Universität gegründet mit dem Ziel, die für heute aktuellen Aspekte der universalen Hildegard Lehre für alle Menschen weltweit zugänglich zu machen.

Dazu gehören die Hildegard Heilkunde, die damit verbundene Ernährungstherapie, die Edelsteinmedizin, die damit verbundenen Heilungserfolge, die Hildegard Kosmologie, Prophetie, Musik und Schöpfungstheologie. Mit ihren über 380 Briefen und vier persönlichen Missionsreisen hat Hildegard auch stark das politische Leben ihrer Zeit beeinflusst. Sie können die Beiträge des Kongresses auch im web unter www.hildegard-universitaet. de als Video verfolgen.

Der Kongress stand unter dem Motto „Stressfrei dank Hildegard von Bingen“ und beschäftigte sich ganz besonders mit den Kernfragen Hildegards:

„Wie bekomme ich einen persönlichen Zugang zu Gott?“ „Wie werde ich glücklich?“ „Wie bleibe ich gesund?“ „Wodurch wird mein Leben sinnvoll, liebenswert, glücklich, einzigartig und leidenschaftlich?“

bauplan der seeleBisher hat sich die medizinische, theologische und politische Elite mit der Erbsünde, mit den Krankheiten, Krisen, Kriegen und negativen Einflüssen abgeplagt. Hildegard fokussiert im Gegensatz dazu auf den Erbsegen, auf der Kunst glücklich und gesund zu sein und zu bleiben. Nicht als ein seltenes Gefühl, sondern als Zustand, den jeder herbeiführen kann, wenn er sich zum Beispiel wie bei diesem Kongress damit selber beschäftigt. Das größte Geschenk der heiligen Hildegard an uns ist das enorme Wissen um die Werte und Kräfte unserer Seele, die für unserer Gesundheit, unser Glück und Wohlbefinden verantwortlich sind.

Die größte Entdeckung dieses Kongresses war dann auch, den Bauplan unserer Seele kennenzulernen: Hildegard beschreibt sie als die kosmische Stadt Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes als Model für unsere Seele. Jesus wohnt im Osten der Stadt mit den 35 Frauen, die 35 positive menschliche Charaktereigenschaften repräsentieren. Sie sind die „starken Arbeiter Gottes“, die heilen, schützen, aufbauen, trösten, lieben und Lebensfreude auslösen können. Sie wohnen verteilt in den Häusern, Türmen, Säulen, Mauern und Palästen dieser Stadt. 
Diese 35 Kräfte machen uns stark, um der materiellen und korrupten Welt mit ihren 35 Gegenkräften Widerstand zu leisten oder um Schwächen in Stärken oder Ohnmacht in Macht umzuwandeln. Diese Vision ist atemberaubend. Sie öffnet unsere Augen für die großartigen Möglichkeiten in der göttlichen Welt, dem einzigen Reich, in dem die Menschen nach ihrer göttlichen Natur leben, handeln und glücklich werden können.
Wenn diese Kräfte fehlen, kann die Seele von 35 negativen Charaktereigenschaften beeinflusst werden, die Stress im persönlichen und mitmenschlichen Bereich auslösen. Dieser Kongress hat dazu beigetragen, uns vom Stress zu befreien, der uns bisher gehindert hat, glücklich zu werden! Der Erfolg, die Heilung, das Lebensglück, die Lebensfreude und die Liebe können sich erst entfalten, wenn die Seele vom Machteinfluss der 35 Laster befreit worden ist.

Woher kommt der Stress?

Warum gibt es aber trotzdem so viele vernünftige Menschen, die nicht loslassen können und sich dadurch tragische Misserfolge, Frustrationen, Leid und Verletzungen zuziehen? Sie leben nach den alten Gewohnheiten ihrer Eltern, die es auch nicht besser gelernt haben. Sie sind die falschen Wege 

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gegangen, obwohl sie sich alle nach Heilung und Glück sehnen. Ihre Seele ist beladen mit Sorgen, Angst, Frust, Wut und Zorn. Solange das Gehirn von diesen Lastern blockiert ist, fließen die Stresshormone und die Liebe zur himmlischen Welt ist unterdrückt. Warum ist ihre Seele nicht jung und frisch geblieben? Sie sind in den 35 Lastern stecken geblieben und schämen sich, Gott um Hilfe zu bitten. Sie sind bisher an Gott vorbei gegangen. Auf diesen Wegen, auf die uns z. B. Hildegard von Bingen hinweist, stoßen wir nicht durch ein neues, modernes oder schickes Wissen, sondern durch die immer gültigen Hildegard Weisheiten.

Goldtopas Gebet
“Deus qui in omnia et in omnibus magnificatus est, in honore suo me non abjiciat, sed in
beneficatione me conservet, confirmet et constituat”

 

Begrüßung

Gott, der über alles und über allen herrlich ist, verwerfe mich nicht bei Deiner hohen Ehre, sondern stärke, festige und gründe mich auf deinem Segen.

Zur Begrüßung der über 700 Hildegard Freunde stellte Dr. Wighard Strehlow die Frage nach dem tiefsten Sinn des menschlichen Lebens:

Was ist gut? Wer bin ich eigentlich? Wie kann ich glücklich und kreativ sein? Warum lohnt sich ein spiritueller Lebensstil?

„Die „Seele ist symphonisch gestimmt“

Es wurden in den Vorträgen und Workshops brauchbare Konzepte beschrieben, mit praktischen Übungen für Körper, Seele und Geist, um die großen Zusammenhänge von spiritueller, emotionaler, intelektueller und körperlicher Gesundheit zu erforschen.

Eröffnungsvortrag Dr. Wighard Strehlow siehe online Hildegard Universität: www.hildegard-universität.de

Die universellen Werte, die Europa zusammenhalten

Zehn Ehrengäste aus vielen europäischen Ländern und aus Singapur wollten herausfinden, welche Werte die Menschen untereinander verbinden, um die heutigen Krisen und Konflikte weltweit zu meistern.

1. Das rechte Maß, der goldene Mittelweg: Discretio „Alles dient einem Höheren und nichts überschreitet sein Maß.“
Der Titel unseres Kongresses heißt „Stressfrei dank Hildegard von Bingen“. Den Begriff „Stress“ hat Hildegard sicher nicht gekannt, wohl aber, davon dürfen wir ausgehen, das Phänomen Stress als solches. Sie wird selbst vielfältige Erfahrungen damit gemacht haben – bei sich selbst und bei vielen Menschen, denen sie geholfen hat. Wir wissen aber auch, dass es Hildegard in ihrer Heilund Heilskunde mehr um die Prävention im Sinne eines gesunden Lebensstils ging als um Therapie von Krankheiten. Insofern kann die heilige Hildegard zur modernen Resilienzforschung heute Entscheidendes beitragen. Was erhält Leib und Seele, Körper und Geist gesund? Was macht uns resistent gegen Stress? Was können wir tun, um erst gar nicht ins Hamsterrad zu gelangen? Wie können wir unseren Lebensstil erfüllend und sinnvoll gestalten?

Die heilige Hildegard antwortet auf diese Fragen mit der Aufforderung zur Discretio, zur weisen Maßhaltung. Der heilige Benedikt bezeichnet die Discretio in seiner Lebensregel für Mönche und Nonnen als „Mutter aller Tugenden“ und schreibt Abt und Äbtissin ins Stammbuch, alles weise, maßvoll und ausgewogen zu regeln. Im 64. Kapitel der Benediktsregel heißt es: „Er achte auf die Schriftworte von der weisen Mäßigung, der Mutter der Tugenden, und ordne alles maßvoll an ...“ (RB 64, 19). Dem schließt sich Hildegard an, wenn sie die Discretio als „Radix prima“, als erste, ja grundlegende Wurzel allen Handelns bezeichnet. „Discretio temperat omnia“ (Die Discretio mäßigt alles), sagt sie. Im Liber Vitae Meritorum wird die Discretio zwischen der Beatitudo (der Glückseligkeit) und der Salvatio animarum (dem Heil der Seele) platziert. Das ist sicher kein Zufall. Denn die Discretio entspringt der einzig wahren Discretio Dei, der göttlichen Weisheit, der göttlichen Ordnung und dem göttlichen Maß. Nur wer auf diese drei baut, wer also aus- und aufschaut zu Gott, dem Urheber allen Seins, wer sich als Geschöpf Gottes versteht und sich Ihm gegenüber verantwortlich weiß, der versteht die Discretio wirklich von innen heraus. Der Ursprung der Maßlosigkeit – der Krankheit unserer Zeit – liegt denn auch im Tiefsten, im Bestreben des Menschen, in allem autark und autonom zu sein, niemanden – auch Gott nicht - zu brauchen und alles selbst zu beherrschen.

Nicht erst heute wissen wir, sondern auch Hildegard wusste bereits, dass Unmäßigkeit und Maßlosigkeit weitreichende Folgen haben kann. Das Leben gerät im wahrsten Sinne aus dem Lot, bekommt Schlagseite und kann sogar zugrunde gehen. Ich wage hier zu behaupten, dass die Mehrzahl unserer heutigen Zivilisationskrankheiten in der Maßlosigkeit ihre Ursache hat. Als Beispiele seien hier nur genannt: Herz-Kreislauferkrankungen, die ernährungsbedingten Krankheiten, alles das, was sich hinter der Volkskrankheit Burnout verbirgt. Und schließlich natürlich im Besonderen die vielen verschiedenen Formen der Sucht - Alkohol, Tabletten- und Drogensucht, ebenso aber auch Arbeits-, Computer oder Smartphone-Sucht. Wir wissen, dass alle diese Formen der Sucht nur allzu oft Fehlformen sind, die aus ungestillter Sehnsucht nach heilem und gelungenem Leben erwachsen.

Nicht vergessen dürfen wir auch, dass auch auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene die Maßlosigkeit gefährliche und unberechenbare Konsequenzen hat, führt sie doch zu Partikularinteressen aller Art, zu Egoismus, Machtmissbrauch, Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Unfrieden. Die Discretio dagegen kann all diesen individuellen und gesellschaftlichen „Krankheiten“ vorbeugen und uns resistent machen gegen die verschiedenen Formen von Stress im individuellen wie im gesellschaftlichen Bereich. Hildegard wusste um das Heilmittel der Discretio aus ihrer eigenen Lebenserfahrung als Benediktinerin. In der benediktinischen Lebensordnung ist die heilsame Wirkung der Discretio, des Ordo (der Ordnung) und der Regula (des Regelmaßes) sozusagen allgegenwärtig.
Das gilt im Sinne eines ganz umfassend gemeinten „Ora et labora“ für alle Lebensbereiche: für Gebet und Arbeit, für Schlafen und Wachen, für Essen und Trinken, für Bewegung und Ruhe, für das Schweigen und die Kommunikation, für die Anstrengung und die Muße, für Einsamkeit und Gemeinschaft. Sich einfügen in das Ordnungsgefüge der Welt, Mitschwingen in der Harmonie des Kosmos und des Lebens insgesamt, darum geht es. Hören wir die heilige Hildegard selbst:
„Alles, was in der Ordnung Gottes steht, antwortet einander. Die Sterne funkeln vom Licht des Mondes und der Mond leuchtet vom Feuer der Sonne. Jedes Ding dient einem Höheren, und nichts überschreitet sein Maß ...“

Die kosmische Ordnung soll sich im Leben jedes einzelnen und jeder Gemeinschaft wiederspiegeln. Es geht also um das rechte Verhältnis der Lebensvollzüge zueinander, um das, was man im ursprünglichen Sinne Lebensstil nennt. Der Mensch braucht die Anstrengung ebenso wie das Zur-Ruhe-Kommen und die Stille ebenso wie das gute Gespräch und die Hinwendung zum Mitmenschen ebenso wie die Ausrichtung zu Gott. Auf der individuellen Ebene geht es hierbei um die Ausgewogenheit im persönlichen Lebensrhythmus, auf der gesellschaftlichen Ebene darum, sich freiwillig und aus besserer Einsicht einzufügen in das Ganze, in das ursprünglich von Gott gewollte harmonische Ordnungsgefüge der Welt. Mit Mittelmäßigkeit hat die Discretio nicht im Entferntesten zu tun wie manche meinen, die das Wort Maß und Maßhaltung zum ersten Mal hören. Die Discretio ist eine echte Herausforderung; sie verkörpert die schwierige Gratwanderung der Mitte, des Ausgleichs, des Verzichts auf die Extreme. Und dieser Weg dürfte heute – in einer Zeit der Extreme – der „Königsweg“ sein.

Liebe Freunde, wir alle müssen die Discretio immer wieder neu lernen – übrigens auch wir Ordensleute in der Nachfolge des heiligen Benedikt und der heiligen Hildegard. Unsere Zeit und unser Lebensempfinden beschleunigen sich unaufhaltsam. Deshalb dürfen und müssen wir unser Leben im Sinne der Discretio immer neu austarieren. Ich spreche da jetzt aus ganz persönlicher Erfahrung. Denn erst kürzlich habe ich am eigenen Leib erfahren müssen, was Hildegard vor 900 Jahren in ihrer Schau gesehen hat:

„Und ich sah ein Meer von wunderlicher Länge und Breite, das mit Schwefel angereichert war und in starkem Feuer glühte. Darin litten die Seelen derjenigen, die in ihrem körperlichen Dasein durch Worte, Taten und alle Regungen ihres Körpers und ihrer Gedanken Maßlosigkeit betrieben hatten, und sich in dem, was sie unangemessen getan hatten, nicht hatten mäßigen wollen“ (LVM 79).

Um diesem Meer zu entrinnen, braucht es manchmal nur eines kleinen ersten Schrittes. Die heilige Hildegard verlangt von den bei ihr Hilfe- und Ratsuchenden, deren Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist, ja keineswegs, alles sofort und gleichzeitig zu ändern. Oft genügt der berühmte erste Schritt, um das Leben im Sinne der Discretio wieder zurechtzurücken und neu auszurichten. Jede noch so kleine Veränderung des eigenen Lebensstils und der eigenen Lebensordnung kann große heilsame Prozesse in Gang bringen – im individuellen wie im gesamtgesellschaftlichen Bereich. Was es allerdings dazu braucht, ist der konsequente und konkrete Wille zur Veränderung. Keiner von uns, weder der einzelne noch die Gesellschaft als Ganzes ist dem eigenen So-Sein- und So-Gewordensein hoffnungslos ausgeliefert. Jeder hat die Freiheit, sich zu ändern und neu zu beginnen – jeden Tag, heute! Hören wir zum Schluss noch einmal die heilige Hildegard selbst: „O Mensch, du hast das Wissen um das Gute und Rechte in dir selbst. Deshalb kannst du dich durch nichts entschuldigen“. Manchmal allerdings braucht es einen heilsamen Anstoß von außen. Bisweilen schickt diesen der „magnus medicus“, der große Arzt, der kein geringerer ist als Christus, selbst. Aber auch wir sollten uns, denke ich, nicht zu schade sein und den Mut haben, uns gegenseitig solche Anstöße zu geben – ohne falsche Scheu auf der einen Seite und ohne allzu große Empfindlichkeit auf der anderen Seite. Denn nur so können wir uns gegenseitig helfen, das rechte Maß – die Discretio – wieder zu finden und damit einen Schritt weiter zu kommen auf dem Weg zu einem heilen, so Gott will, stressfreien oder doch zumindest stressreduzierten Leben.